Die Entwicklung der Sammlung bis zur Neueröffnung im alten Rathaus von Celle (2017)

Von Beginn an hat­te das Marienwerder-​​Zimmer eine zen­tra­le Bedeu­tung für die gemein­sa­me Erin­ne­rung aller ehe­ma­li­gen Mari­en­wer­de­rer. Zu den jeweils seit 1953 in Cel­le statt­fin­den­den regel­mä­ßi­gen Tref­fen der Hei­mat­ver­trie­be­nen und ihrer Fami­li­en war und ist die­ser Ort der ers­te Anlauf­punkt. – Am 18. Okto­ber 1953 hat­te die Stadt Cel­le die Paten­schaft für die Hei­mat­ver­trie­be­nen aus Stadt und Kreis Mari­en­wer­der über­nom­men. Man­che Gemein­sam­kei­ten der bei­den Städ­te wie die Exis­tenz eines Ober­lan­des­ge­richts und eines Land­ge­stüts spiel­ten bei die­ser Wahl der Paten­stadt eine Rol­le. Neben der Ein­rich­tung ver­schie­de­ner Erin­ne­rungs­or­te in der Stadt – wie Stra­ßen­na­men, die an Mari­en­wer­der und Umge­bung gemah­nen, oder dem Gedenk­stein in den Trift­an­la­gen für die Toten der Hei­mat – über­nahm die Stadt nun auch die Auf­ga­be, das Zusam­men­tra­gen von Erin­ne­rungs­stü­cken und Doku­men­ten im Marienwerder-​​Archiv wesent­lich zu fördern.

Das Archiv wuchs ste­tig: Nach­läs­se ehe­ma­li­ger Mari­en­wer­de­rer, ein­zel­ne Objek­te, Bil­der und Schrift­stü­cke, die von den Ver­trie­be­nen aus der Hei­mat mit­ge­bracht wor­den waren, kamen in die Samm­lung und somit in die Aus­stel­lung. Anfangs reich­ten zwei Neben­räu­me im Stadt­ar­chiv, das damals im Gebäu­de Am Markt 4–6 unter­ge­bracht war, um die Samm­lung zu prä­sen­tie­ren. In knapp zwölf Jah­ren wuchs sie jedoch so weit an, dass neue, grö­ße­re Räu­me not­wen­dig wur­den. In der Kaland­gas­se, heu­te Ver­wal­tung des Bomann-​​Museums, fand das „Erin­ne­rungs­zen­trum für Mari­en­wer­der“ auf ver­dop­pel­ter Aus­stel­lungs­flä­che 1965 eine neue Bleibe.

Knapp zwan­zig Jah­re lang wur­de die Aus­stel­lung an die­ser zen­tra­len Stel­le – in der Nähe von Stadt­kir­che und Rat­haus – prä­sen­tiert, bis die Muse­ums­ver­wal­tung das Gebäu­de schließ­lich ins­ge­samt benö­tig­te. Die neu­en Aus­stel­lungs­räu­me für das Marienwerder-​​Zimmer befan­den sich dann am Hei­li­gen Kreuz und wur­den eigens für die Aus­stel­lung ausgestattet.

Nach 13 Jah­ren am Hei­li­gen Kreuz erfolg­te im Juni 1997 ein Umzug in die „Ross’sche Vil­la“ an der Magnus­stra­ße, nicht weit von der Cel­ler „Uni­on“, dem Tagungs­zen­trum der Stadt. In der „Uni­on“ fin­den seit Jahr­zehn­ten auch unse­re Hei­mat­tref­fen statt. In den 1990iger Jah­ren kamen dort noch bis weit über 1.000 Ehe­ma­li­ge aus Stadt und Kreis Mari­en­wer­der zusam­men. Zu den Tref­fen in Cel­le wur­den übri­gens beglei­tend fast immer auch the­men­na­he Aus­stel­lun­gen von der Stadt vor­be­rei­tet und am Vor­tag gemein­sam mit unse­rem Kreis eröff­net, so z. B. eine Aus­stel­lung zur Geschich­te der Flücht­lin­ge, die in der Zeit nach 1945 nach Cel­le kamen.

Die Samm­lung im Marienwerder-​​Zimmer war in den 1990er Jah­ren aller­dings schon so umfang­reich, dass ein gro­ßer Teil maga­zi­niert im Stadt­ar­chiv ver­wahrt und nur ein­zel­ne her­aus­ra­gen­de Stü­cke in neu­er Zusam­men­stel­lung der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert wur­den. Beson­ders zu erwäh­nen sind die gro­ßen Model­le des Schlos­ses mit Dans­ker, ein wert­vol­les Kork­mo­dell der Stadt und eine Viel­zahl von his­to­ri­schen Plä­nen und Foto­gra­fien. Seit der letz­ten Über­ar­bei­tung der Aus­stel­lung im Jahr 2011 wird auch auf die 1992 geschlos­se­ne Part­ner­schaft der Stadt Cel­le mit der pol­ni­schen Stadt Kwid­zyn, wie Mari­en­wer­der nun heißt, hingewiesen.

In die­sem Jahr konn­ten wir zu Beginn unse­res Tref­fens im Mai mit unse­rem alters­be­dingt deut­lich klei­ner gewor­de­nen Hei­mat­kreis ein gänz­lich neu gestal­te­tes Mari­en­wer­der­zim­mer ein­wei­hen: Da die Stadt den bis­he­ri­gen Stand­ort, in dem auch ande­re städ­ti­sche Stel­len unter­ge­bracht waren, auf­gab, wur­den für das Hei­mat­zim­mer zwei Räu­me im alten Rat­haus der Stadt zur Ver­fü­gung gestellt und sehr schön her­ge­rich­tet. Sie sind nichts Gerin­ge­res als die frü­he­ren Vor­räu­me des Ober­bür­ger­meis­ters. Das zeigt uns gegen­über doch eine gro­ße Wertschätzung.

Auch der Bund der Bevöl­ke­rung deut­scher Abstam­mung, heu­te „Gesell­schaft der Deut­schen Min­der­heit“ in Mari­en­wer­der, hat bei den Tref­fen oder bei ande­ren Gele­gen­hei­ten immer gro­ßes Inter­es­se an dem Marienwerder-​​Zimmer gezeigt. Auf dem Gebiet des frü­he­ren Krei­ses Mari­en­wer­der war in Polen wäh­rend des Kom­mu­nis­mus kaum etwas über die frü­he­re Geschich­te aus deut­scher Zeit zu erfah­ren. Nach der Wen­de gab es dort im Schloss­mu­se­um Kwid­zyn in den letz­ten Jah­ren aber Aus­stel­lun­gen wie u.a. zu Wal­de­mar Heym, dem Muse­ums­grün­der in Mari­en­wer­der, oder zur deut­schen Zeit der Stadt ins­ge­samt, und zwar unter dem Titel des frü­he­ren Stadt­na­mens: „Mari­en­wer­der“.

Das Marienwerder-​​Zimmer kann nach einer Anmel­dung an der Pfor­te des alten Rat­hau­ses an Werk­ta­gen besich­tigt wer­den. Es ist jetzt gut im ers­ten Stock des Rat­hau­ses erreich­bar. Dank­bar ist der Hei­mat­kreis vor allem der Lei­te­rin des Stadt­ar­chivs Cel­le, Frau Sabi­ne Maeh­nert, für die her­vor­ra­gen­de Betreu­ung und Pfle­ge des archi­vier­ten Nach­las­ses der Mari­en­wer­de­rer und für die stän­di­ge Aktua­li­sie­rung der Erin­ne­rungs­stät­te. Die Geschich­te des Marienwerder-​​Zimmers selbst ver­folgt Frau Maeh­nert eben­falls genau und hat dadurch auch die Kon­zep­ti­on des vor­lie­gen­den lands­mann­schaft­li­chen Por­träts wesent­lich gefördert. 

Han­no Schacht, Schrift­lei­ter der Hei­mat­zei­tung der Mari­en­wer­de­rer,
der „Klei­nen Weichsel-Zeitung“